Chronik der SPORTUNION Wien 9
Von der Gründung im Jahr 1945 bis heute
Die Gründung im Jahr 1945
Nur wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Grundlagen für die heutige SPORTUNION Wien 9 geschaffen.
Am 1. Juni 1945 erfolgte im Wiener Schottenstift die Gründung der „Union“. Bereits zwei Tage später, am 3. Juni 1945, fand am Servitenkirchenplatz die Gründungsversammlung des Österreichischen Turnvereins Wien 9 statt.
Zu den ersten Gründerinnen, Gründern und Beteiligten gehörten unter anderem Alfred Czuba, Franz Gleinzer, Karl Pavlis, Karl Trauner, Leopoldine Heumesser, Ilse Ruthner, Anna Girschik, Anna Birchner und Frieda Zimmermann sowie viele weitere engagierte Personen.
Das Interesse an Sport und gemeinschaftlicher Bewegung war von Beginn an groß. Bereits am 27. August 1945 zählte der junge Verein 66 Mitglieder.
Die ersten Trainingsstätten
In den ersten Jahren musste der Sportbetrieb unter schwierigen Bedingungen aufgebaut werden. Als erste Trainingsorte dienten:
- die Volksschule in der Grünentorgasse,
- später die Turnhalle in der Porzellangasse,
- das Dianabad für regelmäßige Schwimmabende,
- die Jahnwiese und der Augarten für das Sommertraining.
Die Turnhalle in der Porzellangasse entwickelte sich im Laufe der Zeit zum sportlichen und gesellschaftlichen Mittelpunkt des Vereins.
Präsidenten und Vereinsvorsitzende
| Zeitraum | Präsident bzw. Vorsitzende |
|---|---|
| 1945–1947 | Hans Telatko |
| 1947–1957 | Hans Ruthner |
| 1957–1975 | Eugen Baumgart |
| 1975–1984 | Hildegarde Baumgart |
| 1984–1992 | Walter Rockenbauer |
| 1992–1999 | Andrea Schumann |
| 1999–2004 | Walter Nowotny |
| 2004–2009 | Andrea Schumann |
| 2010–2016 | Eva Eichmair |
| 2016–2022 | Maria Rehor |
| seit 2022 | Maximilian Reimer |
1945 bis 1957 – Die Aufbaujahre
Die ersten Jahre waren vom Wiederaufbau, von großem persönlichem Einsatz und vom starken Zusammenhalt der Vereinsmitglieder geprägt.
Unter Hans Telatko sowie später Hans und Ilse Ruthner entwickelte sich der Verein zu einem bedeutenden Wiener Turnverein. Das sportliche Angebot umfasste bereits früh mehrere Bereiche:
- Turnen,
- Faustball,
- Handball,
- Schwimmen,
- Radfahren.
Zu den erfolgreichen Männerturnern dieser Zeit gehörten unter anderem Wittmann, Leichtfried, Schwarz und Stütz.
Neben dem Sport spielte auch das gesellschaftliche Vereinsleben eine wichtige Rolle. Es wurden Bälle, Tanzkurse und große Kinderveranstaltungen organisiert. An einzelnen Kinderbällen nahmen bis zu 300 Personen teil.
Durch eine sparsame und verantwortungsbewusste Vereinsführung gelang es gleichzeitig, die wirtschaftliche Grundlage des Vereins zu festigen.
In den Jahren 1947 und 1948 wurde die Turnhalle in der Porzellangasse umfassend renoviert.
Dabei wurde unter anderem eine alte Marmorstiege entfernt. Zahlreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden von Vereinsmitgliedern freiwillig und unentgeltlich durchgeführt. Dieses Engagement war für den weiteren Aufbau des Vereins von großer Bedeutung.
1957 bis 1975 – Die Ära Eugen Baumgart
Die Zeit unter Präsident Eugen Baumgart war von großen sportlichen Erfolgen geprägt.
Das Frauenturnen wurde zunächst unter Fachwart Mohn und später unter Professor Stütz erfolgreich weiterentwickelt. Turnerinnen und Turner wie Parzer, Birchner, Wittmann und Janda errangen Staatsmeistertitel und machten den Verein weit über den 9. Wiener Gemeindebezirk hinaus bekannt.
Auch die weiteren Sektionen feierten bedeutende Erfolge:
- Die Faustballmannschaften errangen insgesamt 14 Staatsmeistertitel.
- Die Handballmannschaft stieg von der 4. Klasse bis in die Wiener Liga auf.
- Die Turnsektion erzielte zahlreiche Erfolge bei Wiener und österreichischen Meisterschaften.
Gleichzeitig wurde die Sportstätte laufend verbessert. Unter anderem wurden das Bad und die Garderoben renoviert sowie neue Böden eingebaut.
1975 bis 1984 – Die Ära Hildegarde Baumgart
Unter Hildegarde Baumgart näherte sich der Mitgliederstand der Marke von 1.000 Vereinsmitgliedern.
Das Sportangebot wurde weiter ausgebaut. Neue Bereiche wie Seniorenturnen und Aerobic ergänzten die bestehenden Sektionen. Auch in den traditionellen Sportarten Turnen, Handball und Faustball konnten weiterhin große Erfolge gefeiert werden.
Die zunehmende Größe des Vereins brachte jedoch auch finanzielle und organisatorische Herausforderungen mit sich. Aus wirtschaftlichen Gründen kam es zur Abspaltung einzelner Sektionen.
1984 bis 1992 – Die Ära Walter Rockenbauer
Unter Walter Rockenbauer wurde das Kurs- und Bewegungsangebot des Vereins umfassend modernisiert.
Zahlreiche neue Abteilungen und Trainingsangebote entstanden:
- Aerobic,
- Stretching,
- Wirbelsäulengymnastik,
- Jazzdance,
- Jiu Jitsu,
- Musikgymnastik.
Ein bedeutendes Projekt dieser Zeit war die umfassende Sanierung der Turnhalle.
Am 12. Juni 1989 begannen die Sanierungsarbeiten. Am 2. Februar 1990 konnte die modernisierte Turnhalle feierlich wiedereröffnet werden.
Durch die neuen Angebote und die erneuerte Sportstätte entwickelte sich der Verein erneut sehr positiv. Anfang der 1990er-Jahre erreichte der Mitgliederstand wieder rund 1.000 Personen.
Ab 1992 – Übergang zur „jungen Garde“
Mit Andrea Schumann übernahm eine neue Generation Verantwortung für die Vereinsführung.
Zu ihrem Vorstandsteam gehörten unter anderem:
- Brigitte Sonnleitner,
- Christiane Karajan,
- Helga Kulhanek.
Diese Phase wurde innerhalb des Vereins als Übergang zur „jungen Garde“ bezeichnet. Bestehende Traditionen wurden bewahrt und gleichzeitig neue Ideen in die Vereinsarbeit eingebracht.
Sportliche Entwicklung von 1965 bis 2000
Über mehrere Jahrzehnte hinweg konnte die SPORTUNION Wien 9 zahlreiche sportliche Erfolge erzielen.
Zu den erfolgreichen Staatsmeisterinnen im Turnen gehörten unter anderem Edith Amon und Eva-Maria Kutter.
Das Sport- und Kursangebot wurde kontinuierlich erweitert. Neu angeboten wurden beispielsweise:
- Hausfrauenturnen,
- Klavier-Damengymnastik,
- Seniorengymnastik,
- Aerobic,
- Tanz,
- Jazzgymnastik,
- Tischtennis,
- Ballett,
- Mutter-und-Kind-Turnen.
Einen herausragenden internationalen Erfolg erreichte eine Rock’n’Roll-Formation des Vereins, die einen Weltmeistertitel erringen konnte.
Einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität leisteten Walter und Mirl Rockenbauer sowie Dr. Willi Krammer, die über viele Jahre Verantwortung für die Finanzen des Vereins übernahmen.
1999 bis 2004 – Die Ära Walter Nowotny
Während der Präsidentschaft von Walter Nowotny bezog der Verein ein neues, straßenseitig gelegenes Büro. Damit wurden die organisatorischen Voraussetzungen für die Vereinsverwaltung deutlich verbessert.
Walter Nowotny verstarb am 31. Oktober 2004. Sein Tod bedeutete für den Verein einen großen Verlust.
2004 bis 2009 – Erneute Präsidentschaft von Andrea Schumann
Andrea Schumann übernahm erneut Verantwortung für den Verein.
Diese Jahre stellten die SPORTUNION Wien 9 vor große organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen. Durch den besonderen Einsatz von Christa Fabicovic-Karajan, Brigitte Sonnleitner und weiteren engagierten Vereinsmitgliedern konnte der Verein stabilisiert und der laufende Sportbetrieb gesichert werden.
2010 – Zusammenschluss mit der Union Döbling
Im Jahr 2010 befand sich die SPORTUNION Wien 9 in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen Situation. Der Verein stand vor der Entscheidung, entweder den Vereinsbetrieb einzustellen und den Verein aufzulösen oder durch eine Eingliederung in die SPORTUNION Döbling den Fortbestand zu sichern.
Die bisherige Vorsitzende Andrea Schumann trat zurück beziehungsweise kandidierte nicht mehr für eine weitere Funktionsperiode. In dieser schwierigen Phase übernahm Eva Eichmair, die damalige Vorsitzende der SPORTUNION Döbling, die Verantwortung für die SPORTUNION Wien 9.
Um eine Auflösung zu verhindern und den Mitgliedern weiterhin ein regelmäßiges Sportangebot zu ermöglichen, wurde die SPORTUNION Wien 9 in die SPORTUNION Döbling als Zweigverein eingegliedert. Diese Entscheidung war vor allem durch die damalige wirtschaftliche Lage notwendig.
Unter der Leitung von Eva Eichmair wurden die Vereinsstrukturen neu organisiert und der laufende Sportbetrieb abgesichert. Gleichzeitig konnten die Vereinsgemeinschaft, die bestehenden Sportangebote und die Nutzung des Sportzentrums Porzellangasse erhalten werden.
2016 bis 2022 – Die Ära Maria Rehor
Unter Maria Rehor wurde das Kinder-, Jugend- und Erwachsenenprogramm weiterentwickelt.
Der Verein setzte verstärkt auf moderne Kursformate, eine zeitgemäße Organisation und die Digitalisierung der Vereinsverwaltung. Gleichzeitig wurden bestehende Sportangebote ausgebaut und neue Zielgruppen angesprochen.
2020 bis 2023 – Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie
Die Jahre 2020 bis 2023 waren vor allem durch die COVID-19-Pandemie geprägt und stellten den Verein vor bedeutende sportliche, organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen.
Zeitweise konnten Trainings, Kurse und Veranstaltungen nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden. Laufende Änderungen der gesetzlichen Vorgaben, Unterbrechungen des Sportbetriebs und große Unsicherheiten bei der Planung verlangten den Trainerinnen und Trainern, Funktionärinnen und Funktionären sowie den Mitgliedern ein hohes Maß an Flexibilität ab.
Der Verein musste gleichzeitig mit Einnahmenausfällen, laufenden Fixkosten und einem veränderten Nutzungsverhalten umgehen. Auch die Bindung der Mitglieder und die Aufrechterhaltung des sportlichen Angebots waren unter diesen Rahmenbedingungen besonders herausfordernd.
Trotz dieser schwierigen Zeit gelang es, den Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten und die Grundlage für den Wiederaufbau des Sportprogramms nach der Pandemie zu sichern.
Seit 2022 – Präsidentschaft von Maximilian Reimer
Seit dem Jahr 2022 wird die SPORTUNION Wien 9 von Präsident Maximilian Reimer geführt.
Im Mittelpunkt seiner Präsidentschaft stehen die Modernisierung und Professionalisierung der Vereinsstrukturen sowie die langfristige Weiterentwicklung des Sportangebots.
Zu den wesentlichen Schwerpunkten gehören:
- die Modernisierung der Vereinsorganisation,
- die Digitalisierung von Verwaltungsabläufen,
- die Weiterentwicklung des öffentlichen Auftritts (Social Media, Webseite),
- die Gewinnung neuer Mitglieder,
- der Ausbau des Nachwuchsturnens,
- die Erweiterung der Kampfsport- und Fitnessangebote,
- die Aufnahme neuer und zeitgemäßer Sportangebote,
- die Modernisierung des Sportzentrums Porzellangasse,
- die nachhaltige Sicherung des Vereins für kommende Generationen.
Seit 2023 – Investitionen in das Sportzentrum Porzellangasse
Seit dem Jahr 2023 werden zahlreiche Investitionen in das Sportzentrum Porzellangasse getätigt.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, die traditionsreiche Sportstätte schrittweise zu modernisieren, die Trainingsbedingungen zu verbessern und den Anforderungen eines zeitgemäßen Sportbetriebs gerecht zu werden.
Die Investitionen betreffen unterschiedliche Bereiche des Sportzentrums und umfassen sowohl bauliche und technische Verbesserungen als auch die Erneuerung und Erweiterung der sportlichen Infrastruktur.
Dazu gehören unter anderem:
- Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen,
- Verbesserungen in den Trainings- und Nebenräumen,
- Erneuerungen im Bereich der technischen Ausstattung,
- Anschaffung und Modernisierung von Sportgeräten,
- Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Funktionalität,
- Modernisierung einzelner Kurs- und Trainingsbereiche,
- Aufwertung des Erscheinungsbildes der Sportstätte.
Durch diese Investitionen soll das Sportzentrum Porzellangasse nicht nur erhalten, sondern Schritt für Schritt zu einer modernen, vielseitig nutzbaren Sportstätte weiterentwickelt werden.
Juni 2025 – Trennung von der SPORTUNION Döbling und Wiedererlangung der Eigenständigkeit
Im Juni 2025 kam es zur Trennung von der SPORTUNION Döbling.
Damit wurde die SPORTUNION Wien 9 wieder zu einem eigenständigen Verein. Dieser Schritt stellte einen bedeutenden Wendepunkt in der jüngeren Vereinsgeschichte dar.
Die Wiedererlangung der Eigenständigkeit brachte große organisatorische und wirtschaftliche Aufgaben mit sich. Vereinsstrukturen, Verwaltung, Finanzen, Mitgliedermanagement, Sportbetrieb und Außenauftritt mussten wieder selbstständig organisiert und weiterentwickelt werden.
Gleichzeitig eröffnete die Eigenständigkeit neue Möglichkeiten, Entscheidungen unmittelbar im Interesse der SPORTUNION Wien 9, ihrer Mitglieder und ihrer Sportangebote zu treffen.
Seitdem werden die Vereinsstrukturen, das Sportprogramm, die Verwaltung und der öffentliche Auftritt wieder eigenständig unter dem Namen SPORTUNION Wien 9 gestaltet.
Die Trennung von der SPORTUNION Döbling und der Neustart als selbstständiger Verein stehen damit für ein neues Kapitel, das von Eigenverantwortung, Modernisierung und einer klaren Zukunftsorientierung geprägt ist.
